sonntags geht man in die kirche – und nach meinen letzten tagen was liegt näher als der meissner dom? heute soll es speziell um das ‚westportal‘ gehen. den eingang von der an die westturmfront angebauten fürstenkapelle in den dom.
und dann war gestern noch das erste konzert des neuen jahres in der philharmonie. und was für eins – grandios! ravel, mel bonis und lutowslawski. abwechslungsreich, nie langweilig, sogar lustig und – wie fast immer – orchester, die pianistin Gabriela Montero (die zugabe der bolero von ravel – auf zuruf! perfekt improvisiert!) und der dirigent Alexandre Bloch (mit einer feinen erklärung in besten deutsch/französisch zu lutowslaski) in allerbester musizierlaune! ein guter abend!


in diesem sinne wünschen ich ihnen noch einen schönen sonntag, herzlich willkommen im februar und morgen ist maria lichtmess 😉 (zeit den weihnachtskram wegzuräumen…)
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So viel Lob für ein Konzert – das freut mich. Und so viel Mühe für die Details am Portal – holladiputz!
mich auch – es ist gut neues zu hören! 😉 — die arbeit mit den figuren liegt noch vor mir – du wirst es verstehen 😉
ich habe auch noch die kritik aus der sz von heute zu bieten – passt gut!
Ravel ist stets das Kommen wert. Mit Alexandre Bloch am Pult spielte Dresdens Philharmonie am Sonnabend im gut gefüllten Kulturpalast „La Valse“ und das G-Dur-Klavierkonzert. Pianistin Gabriela Montero, die seit Langem auch für ihre Improvisationen zu spontan vorgegebenen Themen gefeiert wird, war in Ravels Konzert von 1931 spürbar in ihrem Element. Souverän changierte die Venezolanerin zwischen derbem Humor und mit Jazz- und Folklore-Zitaten gespicktem Feinsinn.
Im Adagio, das mit einem lichterfüllten Monolog beginnt, ließ sie pianistische Delikatesse aufblitzen, um dann dem augenzwinkernd vorlauten Orchester keck Paroli zu bieten. Als Zugabe, wie zu erwarten, eine Improvisation, diesmal zum „Bolero“-Motiv, von dem aus sie virtuos durch die Musikgeschichte von Bach bis Rachmaninow mäanderte: starker Applaus.
Begonnen hatte der Abendsinnlich mit „Ophélie“ von Mélanie Bonis (1858–1937), die sich zur männlich dominierten Komponistenszene ihrer Zeit mit dem neutral klingenden Namen Mel Bonis Zugang verschaffte, eine Frau mit spannungsreicher Biografie, deren Werk allmählich wiederentdeckt wird. Ihre Deutung der sterbenden Ophelia ist ein Hohelied der Melancholie, das hier nuancenreich aufwallte.
Nach der Pause folgte das ambivalente „Konzert für Orchester“, mit dem 1954 der Pole Witold Lutoslawski, später ein Eckpfeiler der Avantgarde, Formalismus-Vorwürfen wacker auswich, ohne klein beizugeben. Dirigent Bloch erklärte das Werk vorab anschaulich, ließ dann die Philharmonie wirkmächtig stampfen, zwitschern, brausen.
Im verständlichen Bemühen, Kante zu zeigen, schoss der Franzose hier und auch hernach bei Ravels „La Valse“ bisweilen übers Ziel hinaus. Dieser hellhörige Saal braucht, soll Vehemenz demonstriert werden, nicht zwingend den orchestralen Hurrikan. Bei Ravels wirbelndem Spiel mit Walzerfiguren mündet beseelte Geselligkeit in einen Totentanztaumel, der, um suggestiv zu sein, gar nicht dieser gleißenden Schärfe und erbarmungslosen Wucht bedarf. Stürmischer Beifall nichtsdestotrotz.
Quellenangabe: Dresden vom 02.02.2026, Seite 21