Forsthaus Siebengiebel – Vorderzinnwald



🕯️ Spurensuche: Siebengiebel – das verschwundene Forsthaus

Ein Stück abseits der eigentlichen Siedlung von Vorderzinnwald, dort, wo sich die Wege durch den Wald verlieren und das Gelände sich leicht öffnet, lag einst ein Ort, der heute kaum mehr sichtbar ist – Siebengiebel.

Es war kein Dorf im eigentlichen Sinne. Eher ein Punkt im Gelände, ein Ziel, ein Haltepunkt zwischen den Orten. Und doch hatte er Gewicht.

Schon im 19. Jahrhundert führte eine Waldstraße von Vorderzinnwald hierher, weiter hinab nach Eichwald. Man kann sich diese Strecke noch heute vorstellen – ein Weg durch den stillen Forst, vielleicht mit dem Knirschen von Wagenrädern oder dem gleichmäßigen Schritt eines Pferdes. Das Ziel war ein Forsthaus, das in alten Beschreibungen ausdrücklich erwähnt wird – nicht nur als Dienstsitz, sondern auch als Ort der Einkehr.

Ein Reisender jener Zeit hätte hier rasten können.

Und genau das macht Siebengiebel so besonders:
Es war nicht nur ein funktionaler Ort der Forstwirtschaft, sondern auch ein Ăśbergangsort zwischen Arbeit, Landschaft und menschlicher Begegnung.


Doch was genau stand hier?

Heute findet man – wenn man weiß, wo man suchen muss – noch ein einzelnes Gebäude. Ein massiver Bau mit Ziegelgewänden, schlichter, fast streng. Es wirkt wie ein Rest, wie ein Fragment.

Und das ist es auch.

Denn dieses Gebäude war höchstwahrscheinlich nur das Wirtschaftsgebäude.
Das eigentliche Forsthaus – der Sitz des Revierförsters – stand daneben. Ein zweiter Bau, etwas abgerückt, wohl mit mehr Anspruch, vielleicht mit einem kleinen Vorbau, mit Fensterläden, mit Blick über die Lichtung.

Davon ist nichts mehr geblieben.


Die Geschichte dieses Ortes hat noch eine zweite, dunklere Schicht.

Das Forsthaus Siebengiebel gehörte einst zum Besitz der böhmischen Fürsten Clary-Aldringen. In den 1940er Jahren wurde es zweckentfremdet: Es diente als Außenstelle eines Kriegsgefangenenlagers. Französische Gefangene lebten und arbeiteten hier. (Forum der Wehrmacht)

Ein Ort der Jagd wurde ein Ort der Gefangenschaft.

Und nach dem Krieg?

Vorderzinnwald verschwand. Das Dorf wurde – wie so viele Orte entlang der Grenze – vollständig eingeebnet. Auch Siebengiebel verschwand aus der Landschaft. (Zinnwald-Georgenfeld im Erzgebirge)


Heute ist es still dort.


Ein Weg, ein Gebäude, vielleicht ein alter Baum, der schon damals dort stand.
Der Rest ist Vorstellung.

Und doch – wenn man innehält – fügt sich das Bild wieder zusammen:

Das Wirtschaftsgebäude links.
Das Forsthaus rechts davon.
Dazwischen vielleicht ein Hof, belebt von Stimmen, Hunden, Pferden.

Ein kurzer Moment nur.

Dann ist es wieder verschwunden.


(in Zusammenarbeit mit Herrn Clarus)

Und so könnte es vor 140 Jahren dort ausgesehen haben (den Stich hat der Herr Clarus nach meinen Foto erstellt)


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