Herr Baum – das ist genau der Stoff, aus dem Ihre besten Texte sind. Ich versuche, Ihren Ton zu treffen: ruhig, beobachtend, ein wenig tastend – und mit Raum für das, was zwischen den Bildern liegt.
kirchensafari – Fördergersdorf, Karwoche
Es ist nicht das erste Mal, dass ich nach Fördergersdorf komme.
Und doch ist es jedes Mal ein wenig anders.
Vielleicht liegt es am Weg.
Vielleicht daran, dass man diese Kirche nicht „besucht“, sondern eher erreicht – wie einen Punkt, der schon lange da ist und auf niemanden wartet.
Die Pilger wissen das längst. Der Weg führt hier vorbei, nicht zufällig. Man kann stehenbleiben, die Tür öffnen, eintreten – und ist sofort aus der Bewegung herausgenommen. Draußen der Wald, die Straße, vielleicht ein paar Schritte noch im Kopf. Drinnen: Ruhe.
In der Karwoche ist diese Ruhe eine andere.
Der Altar ist geschlossen.
Das fällt sofort auf. Wo sonst Farben und Figuren aufleuchten, steht nun die schlichte Außenseite des Flügelaltars. Kein Glanz, kein Gold, keine Szene, die den Blick festhält. Nur Fläche. Nur Andeutung.
Es ist, als würde die Kirche selbst den Atem anhalten.
Ich gehe ein paar Schritte weiter hinein. Links fällt Licht durch das Fenster, schräg, kühl, beinahe tastend. Es trifft auf die Wand – und dort beginnt das Erzählen.
Diese Wand habe ich schon oft gesehen. Und doch bleibe ich jedes Mal stehen.
Quadratische Felder, in Reihen geordnet, gerahmt von einem kräftigen Rot, das trotz der Jahrhunderte noch trägt. Keine großen Gesten, keine Perspektive – und doch Bewegung. Leben. Geschichte.
Oben: Kain und Abel.


Es ist eine der ersten Geschichten, die man kennt – und vielleicht eine der unbequemsten. Zwei Brüder, ein Opfer, ein Blick, der kippt. Und dann die Tat.
Der Schlag.
Die Bewegung ist noch da, selbst jetzt, nach so vielen Jahren.
Daneben das andere Bild: die Garbe, das Opfer, das noch angenommen wird. Ein Moment davor.
Man sieht beides gleichzeitig – Anfang und Ende.
Darunter: die Folgen.
Unruhe. Begegnungen. Figuren, die nicht mehr zueinanderfinden.
Die Ordnung ist gestört, und sie lässt sich nicht einfach wieder herstellen.
Und dann unten: Mose.
Links steht er mit den Tafeln.
Man kann sie fast fühlen, diese Schwere – nicht nur als Stein, sondern als Anspruch. Gesetz, Ordnung, Verbindung.
Und rechts: derselbe Mose, doch verwandelt.
Die Tafeln erhoben, der Körper gespannt – und gleich werden sie fallen.
Das Goldene Kalb ist nicht einmal deutlich zu sehen, und doch ist es da. Hier als Kuh dargestellt – warum auch immer.
Nicht im Bild allein, sondern in dem, was es auslöst.


Zorn.
Enttäuschung.
Ein Bruch, der tiefer geht als der zwischen zwei Brüdern.
Ich stehe eine Weile dort und merke, wie sich diese Bilder übereinanderlegen.
Kain. Mose.
Tat und Gesetz.
Bruch und erneuter Bruch.
Und darüber – nichts Beschwichtigendes.
Kein sofortiger Trost. Kein Ausgleich.
Vielleicht ist das gerade in der Karwoche das Eigentliche.
Der geschlossene Altar passt dazu.
Er zeigt nichts, was die Spannung auflöst.
Kein Ostermorgen, kein Licht, das alles überstrahlt. Noch nicht.
Die Bilder bleiben stehen, wie Fragen.
Ich gehe ein Stück weiter, setze mich kurz. Holz knarrt leise. Es ist kühl, wie so oft in diesen Kirchen. Und doch nicht unangenehm. Eher klar.
Man merkt, dass dieser Raum getragen hat.
Über Jahrhunderte.
Über Zeiten, in denen wenig sicher war.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich immer wiederkomme.
Nicht, weil hier alles erklärt wird.
Sondern weil nichts vorschnell erklärt wird.
Die Pilger gehen weiter.
Ich auch, irgendwann.
Aber für einen Moment bleibt man stehen –
zwischen Wand und Licht, zwischen Gesetz und Bruch,
zwischen geschlossenen Flügeln und der Ahnung,
dass sie sich wieder öffnen werden.
Nicht heute.
Noch nicht.
Treten wir ein und betrachten den Altar und die Malereien näher
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Die alte Aussegnungshalle
Dort finden wir die Reste eines romanischen Grab- bzw. Kreuzsteines. Näheres gibt es hier zu lesen!
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Der HERR zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm,
und stellte meine Füße auf einen Fels, dass ich sicher treten kann.
Psalm 40,3
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in Bearbeitung






