St. Burkhard Hohenfelden – Dorfkirche mit einem kleinen Geheimnis
Nur wenige Kilometer südöstlich von Erfurt erhebt sich über den Dächern Hohenfeldens die Kirche des heiligen Burkhard. Zusammen mit dem benachbarten Thüringer Freilichtmuseum bildet sie den historischen Mittelpunkt des Dorfes. Wer näher tritt, erkennt schnell, dass diese Kirche weit mehr ist als ein schlichter ländlicher Sakralbau. Ihre Mauern erzählen von mittelalterlichen Ursprüngen, von Feuer und Wiederaufbau – und sie geben bis heute nicht alle ihre Geheimnisse preis.
Schon der Patron verweist weit zurück in die Geschichte. Der heilige Burkhard, erster Bischof von Würzburg und Gefährte des heiligen Bonifatius, gehörte zu den bedeutendsten Missionaren des 8. Jahrhunderts. Dass ihm diese Kirche geweiht wurde, lässt vermuten, dass an dieser Stelle bereits sehr früh eine christliche Kirche bestand, lange bevor sie 1439 erstmals urkundlich erwähnt wird.
Vom mittelalterlichen Gotteshaus blieb vor allem der wuchtige Chorturm erhalten. Er trägt noch heute sein spätgotisches Mauerwerk, während das Langhaus nach dem verheerenden Dorfbrand von 1810 neu errichtet wurde. Der barocke Turmhelm dagegen stammt bereits aus dem Jahr 1718 und entstand somit noch vor der Zerstörung des Kirchenschiffes. Er verleiht der Kirche ihre charakteristische Silhouette, die schon von weitem über den Feldern sichtbar ist.
Wer die Südseite betrachtet, entdeckt gleich mehrere bemerkenswerte Details.
Unscheinbar in die Wand eingelassen befindet sich eine mittelalterliche Bauinschrift. Das stark verwitterte Steinfragment gehörte ursprünglich vermutlich zu einem älteren Ausstattungsstück der Kirche – vielleicht zu einem Sakramentshaus oder einem gotischen Grabdenkmal. Von der einstigen Inschrift ist nur noch wenig zu entziffern, doch schon ihre gotischen Buchstaben schlagen eine Brücke zurück in die Zeit der ersten Kirche.
Daneben erinnert eine zweite, deutlich jüngere Steintafel an das Jahr 1718. Sie berichtet vom Neubau beziehungsweise der Erhöhung des Turmes und bewahrt damit die Erinnerung an jene Bauphase, die dem Gotteshaus sein heutiges barockes Erscheinungsbild verlieh.
Doch kein Detail zieht den Blick so sehr auf sich wie die rote Tür, hoch oben in der Südwand des Langhauses.
Sie scheint mitten in der Fassade zu enden. Keine Treppe führt hinauf, kein Balkon, kein Wehrgang. Wer sie zum ersten Mal entdeckt, fragt sich unwillkürlich, wie wohl jemals jemand diese Tür erreicht haben mag.
Eine eindeutige Erklärung gibt es bislang nicht. Möglicherweise führte einst eine hölzerne Außentreppe zu einer Patronats- oder Herrschaftsempore. Ebenso denkbar ist, dass die Tür während des Wiederaufbaus nach dem Brand von 1810 entstand oder als Zugang zum Dachraum diente. Vielleicht war sie einst mit einem inzwischen verschwundenen Anbau verbunden. Heute bleibt sie eines jener kleinen Rätsel, die alten Dorfkirchen ihren besonderen Reiz verleihen. Man muss nicht jede Frage beantworten können – manchmal genügt es, dass sie gestellt wird.
Im Inneren überrascht St. Burkhard mit einem hellen, harmonischen Kirchenraum. Die dreiseitigen Emporen, das hölzerne Tonnengewölbe und der Kanzelaltar spiegeln den protestantischen Kirchenbau des frühen 19. Jahrhunderts wider. Die Orgel des Stadtilmer Orgelbauers Johann Wilhelm Salfelder von 1819 fügt sich harmonisch in dieses Ensemble ein und erinnert daran, dass nach der Katastrophe des Dorfbrandes nicht nur ein neues Gebäude entstand, sondern auch ein neuer Mittelpunkt des Gemeindelebens.


So begegnen sich in St. Burkhard mehrere Jahrhunderte auf engstem Raum: der mittelalterliche Turm, die barocke Turmhaube von 1718, das klassizistisch geprägte Langhaus nach 1810 und die rätselhafte Tür, deren ursprünglicher Zweck bis heute verborgen bleibt. Gerade diese Mischung macht den besonderen Charme der Kirche aus. Sie erzählt ihre Geschichte nicht laut, sondern leise – Stein für Stein, Inschrift für Inschrift und mit jenem kleinen Geheimnis in der Südwand, das den Besucher noch lange beschäftigt, wenn er den Kirchhof bereits wieder verlassen hat.
(in Zusammenarbeit mit Herrn Clarus)
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