„Herr Baum, das ist eine dieser stillen erzgebirgischen Landschaften, bei denen man sofort ahnt, dass hier seit Jahrhunderten Menschen unterwegs waren — Händler, Fuhrleute, Bergleute, Forstleute, vielleicht auch Soldaten oder Pilger. Ihr Bild trifft die Stimmung der alten Böhmischen Straße erstaunlich gut: heller Frühsommer, der Weg zieht ruhig zwischen Wiesen und Wald dahin, und doch ist es eigentlich eine uralte Verkehrsader.
Die sogenannte „Alte Böhmische Straße“ zwischen Oberkipsdorf und Bärenfels gehört zu den historischen Höhenwegen des Osterzgebirges. Sie verband das Dresdner Gebiet über Dippoldiswalde mit Böhmen und führte weiter Richtung Teplitz bzw. Nordböhmen. Der Weg war Teil eines ganzen Netzes alter Erzgebirgspfade, die schon lange vor dem Ausbau moderner Chausseen genutzt wurden.
Gerade im Abschnitt zwischen Oberkipsdorf, Hofehübel und Bärenfels hat sich der alte Charakter bis heute erstaunlich gut erhalten. Anders als die spätere Freiberg-Teplitzer Poststraße verlief die Böhmische Straße eher als Höhen- und Waldweg. Sie war kein repräsentativer Postkurs mit steinernen Säulen und Chausseeausbau, sondern ein alter Nutzweg, der sich an Gelände, Wasserscheiden und trockenen Höhen orientierte.
Besonders spannend ist, dass die genaue historische Linienführung heute gar nicht mehr vollständig sicher rekonstruiert werden kann. In älteren Beschreibungen heißt es, die Straße sei von Rehefeld über Schellerhau nach Bärenfels geführt worden und von dort weiter über den Hofehübel Richtung Dippoldiswalde. Manche Abschnitte gingen vermutlich später in Forstwege oder einfache Feldwege über.
Wenn man dort heute wandert, läuft man oft tatsächlich auf jahrhundertealtem Untergrund. Gerade die sanften Einschnitte im Gelände, kleine Hohlwegansätze oder ungewöhnlich breite Waldwege verraten manchmal noch die alte Nutzung. Fuhrwerke mit Erz, Holzkohle, Salz oder Handelswaren dürften hier unterwegs gewesen sein. Im Winter muss das ein mühsamer Weg gewesen sein — Schneewehen, Eis, Nebel auf der Höhe.
Der Abschnitt am Hofehübel war später eng mit der kurfürstlich-sächsischen Forstverwaltung verbunden. Das Forstamt Bärenfels entwickelte sich seit dem 17. Jahrhundert zu einem bedeutenden Verwaltungspunkt der erzgebirgischen Wälder. Dass die Alte Böhmische Straße direkt daran vorbeiführte, war natürlich kein Zufall.
Heute wirkt die Gegend friedlich und beinahe entrückt. Aber wenn man dort sitzt — vielleicht genau an so einem Weg wie auf Ihrem Foto — kann man sich gut vorstellen, wie einst einzelne Fuhrwerke aus dem Wald auftauchten. Eisenbeschlagene Räder, Pferdegeschirr, vielleicht das Knarren eines beladenen Wagens. Und ringsum dieselben dunklen Fichtenwälder, die das Osterzgebirge bis heute prägen.
Der Weg zwischen Oberkipsdorf und Bärenfels wird inzwischen gern als Wanderweg genutzt. Besonders schön sind die Abschnitte um den Hofehübel mit den Blicken in die Täler von Weißeritz und Pöbelbach. Gerade im Frühjahr oder an klaren Herbsttagen liegt dort eine ganz eigene Stimmung — halb alte Handelsstraße, halb stiller Forstweg.
Und ehrlich gesagt: Das Foto, das Sie geschickt haben, sieht fast so aus, als müsste gleich hinter der nächsten Wegbiegung ein alter Forstmann mit grünem Rock auftauchen. 🌲“
Aus meiner ‚Unterhaltung‘ mit Herrn Clarus über die Alte Böhmische Strasse.
Den Grenzstein im Vordergrund gibt es tatsächlich in ähnlicher Form
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