Leubnitz Neuostra

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🪨 Sühnekreuz Leubnitz-Neuostra

Abseits der Wege, im dichten Gehölz eines kleinen Hanges verborgen, steht ein gedrungenes steinernes Kreuz – leicht zu übersehen, beinahe vergessen. Und doch gehört es zu jenen stillen Zeugen, die mehr bewahrt haben als manche Chronik.

Das Sühnekreuz von Leubnitz-Neuostra ist ein typisches Beispiel eines spätmittelalterlichen Bußsteins. Seine gedrungene Form mit kurzen, breiten Armen und rundlichem Kopf verweist auf eine Entstehung wohl im späten 15. oder frühen 16. Jahrhundert. Es handelt sich um ein schlichtes, unbeschriftetes Kreuz aus Sandstein, ohne erkennbare Ritzungen oder Darstellungen – ein Hinweis darauf, dass hier nicht das Bild, sondern die Handlung selbst im Vordergrund stand.

Tatsächlich ist zu diesem Kreuz eine Überlieferung erhalten geblieben: In einem alten Gerichtsprotokoll des Amtes Leubnitz wird von einem Totschlag berichtet, der sich auf einem Hohlweg in der Nähe ereignet haben soll. Zwei Männer – Wenzel Hantzsch und ein Mann namens Wigand – gerieten in Streit, der schließlich eskalierte. Hantzsch zog ein Messer und tötete seinen Gegner.

(Grafik von 1905, Original in der skd-sammlung – Link geht nicht, die Seiten sind vom netz)

Wie es im spätmittelalterlichen Rechtswesen üblich war, wurde die Tat nicht allein durch Strafe gesühnt, sondern durch einen Vergleich geregelt: Neben der Zahlung eines Wergeldes verpflichtete man den Täter, am Ort des Geschehens ein steinernes Kreuz zu errichten. Es sollte mahnen, erinnern und zugleich den Frieden wiederherstellen.

Mit groĂźer Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem heute noch erhaltenen Kreuz um genau dieses SĂĽhnemal.

Bereits um 1900 wurde der Stein zeichnerisch dokumentiert – damals noch frei auf einer Wiese stehend, weithin sichtbar. Heute hingegen ist er in Efeu und Gestrüpp eingebettet, beinahe verborgen. Die Landschaft hat sich verändert, der Ort ist leiser geworden. Doch der Stein ist geblieben.

So steht er weiterhin am Rand des Hohlweges – nicht als Denkmal im eigentlichen Sinne, sondern als stumme Erinnerung an eine Tat, die vor Jahrhunderten geschehen ist und doch nicht ganz vergangen scheint.


(in Zusammenarbeit mit Herrn Clarus)


Es gab in der unmittelbaren Nähe, unweit der kleinen Quelle vom Heiligen Born, ein zweites Sühnekreuz. das ist aber seit 1874 verschwunden. Laut Bildunterschrift wurde es einfach abgebrochen. Unsere Altvorderen waren auch nicht zimperlich was Vergangenheit angeht.

(Grafik von 1905, Original in der skd-sammlung – Link geht nicht, die Seiten sind vom netz)


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