An einem warmen Frühsommertag liegt „Klotzes Grab“ still im Wald bei Bärenfels. Das Licht fällt in flimmernden Flecken durch die hohen Buchen, irgendwo raschelt trockenes Laub, und zwischen den Steinen summen Insekten. Fast könnte man achtlos daran vorübergehen. Ein eingesunkener Stein, von Moos und Flechten überzogen, umgeben von Bruchstücken aus Granit und verwittertem Mauerwerk. Doch wer stehen bleibt, merkt schnell, daß dies kein gewöhnlicher Ort ist.
Mitten im Wald liegt hier die Ruhestätte des königlich-sächsischen Oberforstmeisters und Floßoberaufsehers Heinrich Maximilian von Klotz, der am 28. November 1864 im Jagdhaus Bärenfels verstarb. Seine Beerdigung fand wenige Tage später genau hier statt — fernab eines Kirchhofes, mitten in jenem Wald, dem sein ganzes Leben gehört hatte.
Die Geschichte dieses Mannes erzählt zugleich ein Stück erzgebirgischer Geschichte. Von Klotz war nicht nur Forstmeister, sondern auch verantwortlich für die Holzflößerei auf Weißeritz und Freiberger Floß. In einer Zeit, als das Erzgebirge gewaltige Mengen Holz für Bergbau, Hüttenwesen und Städte benötigte, gehörten Männer wie er zu den wichtigen Gestalten des Landes. Wälder waren damals nicht romantische Kulisse, sondern Lebensgrundlage und Reichtum Sachsens.
Und doch spricht aus seiner letzten Verfügung etwas weit Tieferes als bloße Verwaltung oder Amtspflicht.
Denn Heinrich Maximilian von Klotz wollte ausdrücklich hier draußen ruhen. Die auf der Grabplatte überlieferte Verfügung gehört zu den bewegendsten Texten, die man an einem solchen Ort finden kann. Dort heißt es, daß er seine letzte Ruhestätte an jenem Platz wünsche, an dem er „das dankbarste Bereich der Tätigkeit“ gefunden habe — im Wald. Besonders schön ist die Stelle, an der er schreibt, daß ihn „jedes Blatt und der Wechsel seiner Färbung an die ewige Weltordnung“ erinnert hätten. Das ist keine nüchterne Amtssprache mehr. Das ist beinahe romantische Naturphilosophie.
Noch eindringlicher wirkt der Satz, daß die Wälder ihn „körperliches Weh vergessen ließen“. Man spürt plötzlich, daß dieser Mann nicht nur Förster war. Der Wald war ihm Heimat, Trost und Lebenswelt zugleich.
Heute ist seine Grabstätte vom Zahn der Zeit gezeichnet. Die Steine haben sich gesenkt, das Denkmal ist teilweise zerfallen, Moose und Flechten überziehen die Inschrift. Und doch wirkt gerade dieser Verfall seltsam passend. Es scheint fast, als nehme der Wald seinen Oberforstmeister langsam wieder zu sich zurück.
Steht man dort im stillen Grün des Osterzgebirges, fällt es nicht schwer, sich die Trauerfeier des Winters 1864 vorzustellen: Forstbeamte in dunklen Mänteln, vielleicht Schnee zwischen den Fichten, Pferdewagen am Waldrand, dumpfe Schritte auf gefrorenem Boden und die Stimme des Geistlichen zwischen den Bäumen. Keine große städtische Zeremonie, sondern ein letzter Gang hinaus ins Revier.
„Klotzes Grab“ ist deshalb weit mehr als ein vergessenes Denkmal im Wald. Es ist ein stilles Zeugnis jener engen Verbindung zwischen Mensch und Landschaft, wie sie das alte Erzgebirge vielerorts noch kannte. Und vielleicht berührt der Ort gerade deshalb so sehr: weil hier einer nicht nur im Wald arbeitete — sondern am Ende auch für immer Teil von ihm werden wollte.
Die Beisetzung stellt sich der Herr Clarus dann so vor
(in Zusammenarbeit mit Herrn Clarus)
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