An der Kirchhofmauer, halb verborgen im Gelb eines blühenden Strauches, steht ein altes Steinkreuz.Anders als viele seiner Art schweigt dieses nicht ganz. Seine Geschichte ist überliefert. Im Jahr 1440 erschlug der Bauer Hans Friedrich aus Baarsdorf im Streit den Bauern Peter Mollner. Das Görlitzer Gericht verurteilte ihn zu einer umfassenden Sühne: öffentliche Abbitte vor den Hinterbliebenen, Zahlung von Wergeld, eine Wallfahrt nach Aachen, dreißig Seelenmessen – und die Errichtung eines steinernen Kreuzes hier in Seifersdorf.
Dieses Kreuz steht noch immer. Verwittert, beschädigt, seines einst eingeritzten Dolches kaum mehr sichtbar, aber unbeirrbar gegenwärtig.
Wer an ihm vorübergeht, tritt durch das Tor in den Kirchhof – und vielleicht ist genau das kein Zufall: dass der Weg in den Raum des Glaubens an einem Ort beginnt, an dem Schuld einst benannt und gesühnt werden musste.
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