Kirche Königswartha

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#kirchensafari – Kirche Königswartha/Ol.

Ostermontag, gegen Mittag.
Die Sonne steht hoch, fast schon zu hell für das, was noch in mir nachklingt: die barocke Wucht von Neuzelle, die Bilderfluten, das Pathos. Und dann die Straße, hinaus in die Weite der Lausitz. Felder, Teiche, Dörfer – und schließlich Königswartha.

Die Kirche liegt offen im Grün. Kein enger Kirchhof, kein Gedränge – eher ein Raum, der atmet. Die gelben Wände leuchten im Licht, der Turm hebt sich klar gegen den Himmel, und irgendwo zwischen den alten Bäumen stehen sie noch, die Grabsteine, leicht geneigt, vom Gras umfangen. Kein Pathos mehr. Ruhe.

Ich trete ein.

Und sofort ändert sich der Klang der Welt.


Der Raum ist hell, fast weich. Die Gewölbe tragen das Licht, nicht schwer, sondern leicht – als hätten sie gelernt, es zu halten, ohne es festzuhalten. Und dann steht er da, mitten im Raum: der Kanzelaltar.

Nicht überwältigend groß, nicht überladen – aber klar.
Geordnet.
Sprechend.


Mein Blick bleibt zuerst unten hängen. Der Altar: schlicht gedeckt, das Buch aufgeschlagen, das Kreuz davor. Kein Überschwang. Hier geschieht nichts durch Bilder, sondern durch Handlung. Abendmahl. Gegenwart.

Und dann – fast unmerklich – zieht es den Blick nach oben.

Die Kanzel. Das Wort.

Die Evangelisten stehen dort, still, fast zurückgenommen. Einer ist gut zu lesen: S. Lukas. Die anderen fügen sich ein. Sie tragen nichts Dramatisches – sie bezeugen. Und genau das ist ihre Aufgabe: nicht selbst sprechen, sondern das weitergeben, was gesagt ist.

Über der Kanzel lese ich den Satz:

Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren.

Ein einfacher Satz. Aber hier, an diesem Ort, bekommt er Gewicht.
Denn er hängt genau dort, wo das Wort gesprochen wird.

Und darüber – der Ostermontag spricht noch einmal selbst:

Der Auferstandene.

Er steht über dem Grab, leicht, fast schwebend. Die Fahne in der Hand, die Wunde sichtbar – aber ohne Schmerz. Die Wächter unten, noch im Irdischen gefangen, sehen ihn nicht wirklich. Oder können ihn nicht sehen.

Ich bleibe einen Moment stehen.

Neuzelle war gestern – oder ist es schon weiter weg? Dort war die Auferstehung dramatisch, inszeniert, bewegt. Hier ist sie still. Fast selbstverständlich.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe.


Aber dann entdecke ich ihn.

Seitlich, nicht im Zentrum, nicht hervorgehoben – und doch sofort lebendig:

Der Taufengel.



Er schwebt nicht wirklich, und doch ist er nicht ganz von dieser Welt. In seiner Haltung liegt etwas Zartes, fast Kindliches – und zugleich etwas Ernstes. Er trägt nicht nur die Taufschale. Er bringt etwas.

Ich stelle mich darunter.

Und plötzlich verschiebt sich der ganze Raum.

Denn hier, unter diesem Engel, wird der Anfang gesetzt. Nicht das Ende, nicht die Auferstehung – sondern der erste Schritt: die Taufe.

Und so ergibt sich eine Bewegung:

  • unten: das Mahl
  • in der Mitte: das Wort
  • darüber: die Auferstehung
  • und seitlich, fast verborgen: der Anfang des Glaubens

Ein Kreis.

Oder vielleicht eher ein Weg, der sich immer wieder schließt.


Und dann ist da noch etwas.

Die Inschriften. Die Namen. Die Spuren.

Die Familie von Schönberg – irgendwo zwischen den Zeilen, zwischen den Jahrhunderten. Menschen, die diese Kirche geprägt haben, die hier gebetet, gestiftet, begraben wurden. Und daneben das große Wort aus dem Römerbrief:

Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes.

Hier bekommt es Gewicht.
Weil es nicht abstrakt bleibt.


Als ich wieder hinaustrete, ist das Licht noch immer da. Vielleicht sogar heller. Die Grabsteine stehen still, die Schatten sind kürzer geworden, und irgendwo weht ein leichter Wind über das Gras.

Ich bleibe noch einmal stehen und schaue zurück.


Diese Kirche drängt sich nicht auf. Sie erklärt nichts laut.
Aber sie ordnet.

Nach Neuzelle, vor Rosenthal – ist sie vielleicht genau das, was man braucht:

Ein Ort, der das Gesehene sammelt.
Und das Kommende vorbereitet.

Oder, um es mit dem kleinen sorbischen Wort zu sagen, das mir später noch einfällt:

Boha swěć.

Gottes Licht.

Und vielleicht war es genau das, was hier – ganz still – geblieben ist.


(in Zusammenarbeit mit Herrn Clarus)



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So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. Lasst uns ehrbar leben wie am Tage,
nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Neid.
Römer 13,12-13



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