Schrotholzkapelle Sprey

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#kirchensafari – Schrotholzkapelle Sprey

Es war einer dieser Wege, die kein eigentliches Ziel brauchen.
Von Neuzelle kommend, noch ganz erfüllt von barocker Fülle, führte die Straße weiter nach Süden – hinaus aus dem Klosterraum, hinein in die stille Weite der Lausitz. Der Himmel war hell, das Licht klar, und doch lag etwas Ruhiges über der Landschaft, als hätte sie sich selbst ein wenig zurückgenommen.

Und dann – beinahe unscheinbar – stand sie da.

Die Schrotholzkapelle von Sprey.

Kein Turm, der weithin grüßt. Kein Stein, der Dauer behauptet. Stattdessen dunkles Holz, gedrungen, fast schützend in sich gekehrt. Ein Bau, der weniger gebaut als vielmehr gefügt scheint. Die Balken – geschrotet, grob behauen – tragen noch immer die Spuren ihrer Herkunft. Man sieht ihnen an, dass sie einmal Bäume waren.

Ich trete näher.

Das Licht fällt flach über das Schindeldach, bleibt in den Rillen hängen, wandert über die kleinen Fenster mit ihren Butzenscheiben. Der Dachreiter sitzt leicht darüber, fast wie ein später Gedanke – und doch gehört er längst dazu.

Die Tür: verschlossen.

Ein leiser Moment der Enttäuschung – nicht unerwartet, und doch spürbar. Gerade hier hätte ich gern eingetreten. Denn was sich im Inneren verbirgt, kennt man nur aus Beschreibungen: ein mittelalterlicher Altar, älter als das Gebäude selbst, Figuren von Heiligen, die aus einer anderen Zeit herüberblicken – und irgendwo dazwischen die Spuren eines Wandels, der aus einer Marienfigur einen Martin gemacht hat.

Ich bleibe draußen.

Und merke, dass es vielleicht genau so sein muss.

Denn diese Kapelle gibt sich nicht preis. Sie zeigt sich – aber sie erklärt sich nicht. Ihr Inneres bleibt Vorstellung, Erzählung, Hörensagen. Und vielleicht entsteht gerade darin ein eigener Raum: einer, der nicht betreten, sondern gedacht wird.

Neben der Kapelle eine Bank.


Ich setze mich.

Der Schatten des Gebäudes reicht gerade weit genug, um den Platz zu kühlen. Der Wind streicht durch die Bäume am Rand, trägt das leise Rauschen herüber. Irgendwo klappert ein Zaun, weiter hinten zieht sich die Straße in die Ferne, auf der ich gekommen bin – und auf der ich weiterziehen werde, hinüber nach Rosenthal.

Noch ein Blick zurück.

Dieses Holz, das nichts will außer da zu sein. Diese Form, die sich nicht erhebt, sondern sammelt. Und eine Kapelle, die man nicht betritt – und dennoch mitnimmt.

Vielleicht ist das ihre eigentliche Stärke.

Dass sie bleibt, auch wenn man längst gegangen ist.


(in Zusammenarbeit mit Herrn Clarus)



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Bedrückt nicht die Witwen, Waisen, Fremdlinge und Armen!
Sacharja 7,10






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