Ebersdorf – Habartice

allee



Ebersdorf – ein verschwundenes Dorf auf dem Erzgebirgskamm

Wo heute Wiesen, Buschwerk und einzelne Mauerreste die Hochfläche des Osterzgebirges bestimmen, lag noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts Ebersdorf. Das langgestreckte Waldhufendorf gehörte zu den älteren Siedlungen auf dem böhmischen Erzgebirgskamm. 1363 erscheint es erstmals als Eberhartsdorf, 1374 als Habartivilla und 1392 als Eberzdorff. Der tschechische Name Habartice bewahrt die Erinnerung an diesen ursprünglichen Ortsnamen.


Die Anlage des Dorfes verriet noch bis zu seinem Untergang die mittelalterliche Besiedlungsgeschichte: Die Höfe standen entlang von Straße und Bach, während sich hinter ihnen die langen, schmalen Hufenstreifen über die Hänge zogen. Ebersdorf war damit ein klassisches Waldhufendorf, entstanden während des hochmittelalterlichen Landesausbaus in einem zuvor weitgehend bewaldeten Gebiet.


Seine Lage war keineswegs weltabgeschieden. Ebersdorf lag am alten Übergang über den Geierspass und damit an einer der historischen Verbindungen zwischen dem böhmischen Becken und Sachsen. Der Verkehr brachte dem Dorf Erwerbsmöglichkeiten und einen gewissen Wohlstand, bedeutete in Kriegszeiten jedoch zugleich, dass immer wieder Truppen über den Kamm zogen. Der Naturführer Osterzgebirge bezeichnet Ebersdorf deshalb als eines der ältesten und stattlichsten Dörfer dieser Kammlandschaft.

Ein Mittelpunkt des Ortes war die dem hl. Gallus geweihte Kirche. Der barocke Kirchenbau entstand 1783; 1800 folgte das Pfarrhaus und 1845 eine Schule. Ebersdorf bildete einen eigenen Pfarrbezirk, zu dem zeitweise auch Voitsdorf, Müglitz, Streckenwald, Hintertellnitz und Adolphsgrün gehörten. Damit war das Dorf für die umliegenden kleinen Siedlungen nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch kirchlicher Mittelpunkt.

Blick von oben auf die ehemaligen Hufen von Ebersdorf


Besonders interessant für unsere #spurensuchen ist die alte Straßenlandschaft. 1836 wurde die Graupenbergstraße von Teplitz in Richtung Dresden ausgebaut; sie führte über Ebersdorf und Fürstenau. An diesen Wegen lagen mehrere jener steinernen Kleindenkmale, denen wir inzwischen immer wieder begegnet sind: das Schwarze Kreuz, das Schenkerkreuz und – für uns gerade besonders wichtig – das Goldammer-Kreuz. Alle drei werden bereits vor dem Ende des 18. Jahrhunderts greifbar.

Ebersdorf war keineswegs eine kleine Streusiedlung. 1869 wurden noch 1.236 Einwohner gezählt. Danach sank die Bevölkerung allmählich: 1910 waren es 957, 1921 noch 832 und 1930 schließlich 771 Menschen.

Dann kam der Bruch.

Nach 1945 wurde die deutschsprachige Bevölkerung vertrieben. Das nun nahezu menschenleere Habartice wurde 1949 nach Horní Krupka eingemeindet. In den 1950er Jahren wurde die noch vorhandene Bebauung systematisch beseitigt; nach überlieferten Angaben kamen dabei sogar Panzer zum Einsatz. 1950 lebten nur noch drei Menschen hier, 1961 niemand mehr. Ebersdorf war zur Wüstung geworden.

Ganz verschwunden ist das Dorf dennoch nicht. Zwischen Wiesen und Gehölzen lassen sich ehemalige Wege, Grundstücksgrenzen, Keller- und Mauerreste erkennen. Die Landschaft trägt ihren alten Grundriss noch immer in sich. Selbst dort, wo kein Haus mehr steht, verraten Geländeformen und Vegetation, dass hier über Jahrhunderte Menschen lebten.

Und genau deshalb gehört Ebersdorf unmittelbar neben Voitsdorf in unsere Reihe der vergessenen Dörfer: Beide Orte waren durch Wege, Pfarrei und Alltag miteinander verbunden. Heute sind es gerade die unscheinbaren Spuren – ein alter Weg, ein Kellerrest oder eines der Kreuze am Wegesrand –, die das verschwundene Dorf wieder lesbar machen.

~~~

zurück zur Startseite



~~~