Seifen / Ryžovna – das verschwundene Dorf auf dem Kamm
Nebel. Kälte. Die Wolken hingen tief über dem Erzgebirgskamm, als ich gestern den schmalen Weg hinauf nach Seifen nahm – oder besser gesagt: zu dem, was davon geblieben ist. Nur wenige Häuser stehen noch, verstreut auf der kahlen Hochfläche zwischen Gottesgab und Platten. Der Wind zieht über die braunen Wiesen, und nichts erinnert mehr an das einst rege Leben hier oben, wo Bergleute im 16. Jahrhundert begannen, Zinnerz aus den Seifen zu waschen. Der Name selbst – „Seifen“ – stammt von diesen ausgewaschenen Lagerstätten, die der Landschaft Form und Bedeutung gaben.
Später wurde daraus ein richtiges Dorf: sechzig, siebzig Häuser, eine Schule, ein Wirtshaus – und eine Kirche. Die St.-Wenzels-Kirche, 1805–1807 von Bergleuten aus Joachimsthal errichtet, stand mitten im Dorf, schlicht und standhaft gegen den Wind. Sie bot Schutz und Gemeinschaft, wenn die Winter lang und die Wege nach Boží Dar unpassierbar waren. 1968 wurde sie abgetragen; an ihrem Platz erinnert heute nur noch eine kleine Gedenkstätte an das verschwundene Gotteshaus.
Nach dem Krieg kam das Ende: Die deutschen Bewohner wurden vertrieben, die Häuser verfielen, die Felder verwucherten. Ryžovna – wie der Ort heute heißt – ist nur noch ein Schatten in der Landschaft, ein Gedenkort für das, was das Erzgebirge einst prägte: Arbeit, Glaube, Kälte, Ausdauer.
Und doch liegt in dieser Leere etwas Eigenes, etwas, das bleibt. Der Nebel verschluckt die letzten Konturen, aber wer hier steht, spürt noch den Atem der Geschichte – rau, dünn, wie die Luft auf tausend Metern Höhe. (in Zusammenarbeit mit Herrn Clarus)
Zum Abschluss noch eine historische ansicht – so kommt man auch heute noch von Joachimsthal über Abertham und den Kamm ins ehemalige Dorf – nur die Kirche ist weg. (die Quelle ist mir unbekannt)
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