Das Voitsdorfer Kreuz
Es war vor einigen Jahren mein erster Besuch an einem böhmischen Kreuz – und vielleicht ist mir das Voitsdorfer Kreuz gerade deshalb besonders im Gedächtnis geblieben. Noch bevor sich daraus eine ganze Reihe von Spurensuchen jenseits der Grenze entwickelte, stand ich hier bei Voitsdorf, dem heutigen Fojtovice, vor diesem stillen Denkmal an einer alten Wegekreuzung in der freien Flur.
Das heutige Steinkreuz blickt auf eine längere Vorgeschichte zurück. Ursprünglich stand an dieser Stelle ein Holzkreuz am Weg nach Grammel. 1843 ließ Karolina Schmidt es erneuern, 1859 entstand durch Josef Schmidt ein neuer Entwurf. Schließlich ließ der Bauer Franz Schmidt im Jahre 1869 ein Steinkreuz errichten. Die örtliche Überlieferung verbindet die Stiftung mit dem Andenken an die Kinder von Maria und Gallus; über Generationen kümmerte sich die Familie um das Kreuz.
Nach 1946 verfiel das Denkmal zunehmend. Der steinerne Sockel blieb jedoch erhalten und bewahrte damit wenigstens die Stelle und einen Teil der alten Substanz. 2015 wurde das Kreuz wiederhergestellt. Seine heutige Inschrift lautet:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt wird erlöst.“
Ein mittelalterliches Sühnekreuz ist das Voitsdorfer Kreuz also nicht. Es gehört vielmehr zu den neuzeitlichen Flur-, Andachts- und Gedenkkreuzen. Und doch steht es in derselben Landschaft aus alten Wegen, Erinnerungen und Geschichten, die mich später noch zu so vielen anderen Kreuzen in Böhmen führen sollte.
Im Rückblick war dieser erste Besuch deshalb wohl mehr als nur ein Halt an einem Kreuz am Wegesrand. Hier begann für mich ein neuer Abschnitt der Spurensuche – auf der böhmischen Seite des Erzgebirges.
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